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Tiger I der sPzAbt. 505 im 

„Winterkleid“

Tiger I Wintertarnung

2005 sprach mich Michael Rossmeier von der RAG Militärmodellbau Celle/Munster an, ob ich bei seinem Tiger im Maßstab 1:5 nicht „etwas Farbe“ aufbringen könnte....

Ich habe mich bisher ausschließlich mit dem Standmodellbau bei Militärfahrzeugen beschäftigt, wobei der Schwerpunkt im Maßstab 1:72 lag. Spontan reizte mich die Idee, hier mal etwas größeres in Szene zu setzen. Nach mehreren weiteren Gesprächen mit Michael nahm die Sache immer mehr konkretere Formen an. Am Fahrzeug vergessene Details sollten in einem gewissen Umfang ebenfalls herausgearbeitet werden. Schnell wurden wir uns einig, da nun mein Interesse an diesem Projekt erst recht geweckt wurde. Nach der Messe „Modellwelt Hamburg“ wanderte dann auch der Tiger für die Wintermonate in meinen Keller – ich möchte hier noch anmerken, dass es nicht ganz so einfach war, die „245-kg-Klamotte“ über eine sehr schmale Treppe in meinen Keller zu bekommen...


Königstiger Emil Jeep
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Da ich – wie bereits erwähnt – bisher lediglich den Standmodellbau betrieben hatte, musste ich mir grundlegende Gedanken machen, da solch ein Funktionsmodell völlig anderen Belastungen ausgesetzt ist und meine Werkzeugausstattung eher der eines Uhrmachers als der eines Kfz-Betriebes entspricht.

Dennoch bilde ich mir ein, dass einige von mir angewandte Techniken aus dem Standmodellbau sicherlich den modellbauerischen Kenntnisstand so manchen RC-Modellbauers bereichern dürften!

Nachdem der Tiger von den Ketten und Kleinteilen wie dem Werkzeug befreit wurde, nahm ich den Turm ab und bockte das Fahrgestell auf einem Rollwagen auf. So waren die zu bearbeitenden Flächen von allen Seiten zugänglich.  Die Laufrollen wurden ebenfalls abgenommen, um auch eine spätere Lackierung der kompletten Wanne zu ermöglichen.

Als erstes wurden von mir die fehlenden Stahlstrukturen der Panzerplatten und der Schweißnähte in Angriff genommen. Da in den Stahlwerken früher die Panzerplatten mechanisch zerschnitten wurden, wiesen die Kanten der Platten charakteristische Spuren auf. Dieses lässt sich hervorragend durch aufgeklebtes Krepp-Klebeband aus dem Malerbedarf darstellen. Ideal ist hierbei das Klebeband der Marke „Tesa“, da dieses in der Optik den Schnittspuren der Original-Panzerplatten am nächsten kommt. Damit das Kreppband auch dauerhaft auf dem Fahrzeug haftet, wurde der alte Lack des Tiger angeschliffen und das Klebeband mit Kontaktkleber (Pattex) verklebt. Im Gegensatz zu anderen Klebstoffen behält Pattex eine gummiartige Konsistenz über Jahre und absorbiert Schwingungen im Fahrbetrieb.

Für die Schweißnähte kam dunkelbraunes Silikon zum Einsatz, welches mit Hilfe einer kleinen Spritze aufgetragen wurde. Dunkelbraun deshalb: Sollte einmal etwas Farbe abplatzen, wirkt die Schweißnaht wie verrostet und der kleine Lachschaden fällt nicht sofort auf.

Weitere fehlende Details am Fahrzeug wurden ergänzt: Fehlende Nieten, Beschläge und Kleinteile wurden aus Plastik oder Hartschaumplatten hergestellt und ebenfalls mit Kontaktkleber am Fahrzeug befestigt (So entstand der fehlende Mündungsfeuerdämpfer beim Blenden-MG aus der Kanonenblende eines Jagdtigers im Maßstab 1:72). An der Kanonenblende musste der Zimmerit ergänzt werden. Hierfür fertigte ich mir aus einen Stück Alublech (Essensverpackung vom China-Mann) einen Zahnspachtel in gewünschter Breite an. Mit diesem trug ich eine selbst gemischte Paste aus Acryl-Gel (gibt’s im Künstlerbedarf) und Holzkitt auf. Diese Paste hat den Vorteil, dass Sie sehr schnell trocknet, steinhart und trotzdem flexibel wird und sich hervorragend lackieren lässt. Die fehlende Produktionsnummer der Blende wurde durch Zahlen eines alten Stempels ergänzt (Kleinst-Zahlen u. –Buchstaben aus Plastik gibt es sonst auch noch im Architekturmodellbaubedarfshandel zu kaufen). Der alte noch am Tiger befindliche Zimmerit wurde an einigen Stellen entfernt, um Beschädigungen darzustellen und an anderen Stellen ergänzt, um die Struktur zu verbessern.

Tiger Wanne

Tiger Turm

Einige Teile wurden am Fahrzeug abgebaut oder Verbogen, um Beschädigungen darzustellen. Ich möchte anmerken, dass ich selbst jahrelang bei der Bundeswehr auf diesen „Stahlklötzen“ gesessen habe (vom M48 bis zum Leo 2) und mir selbst ist schon unter Friedensbedingungen kein Fahrzeug ohne Beschädigungen, abgeblätterte Farbe oder übermäßigen Dreck bekannt ist. Wie nun sehen Fahrzeuge erst nach längerem Einsatz an der Ostfront aus!?!

Tiger Kette

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Für die Beschussschäden wurde die Panzerwanne angebohrt und angrenzende Abplatzer und Vertiefungen mit dem dunkelbraunen Silikon aufmodelliert.

Tiger Treffer

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Nachdem nun die Vorarbeiten abgeschlossen waren, stimmte ich mit Michael das spätere „Outfit“ ab. Dazu wurden unzählige Original- und Modellfotos zu Rate gezogen. Da es sich bei Michaels Tiger um ein frühes Baulos handelt, musste berücksichtigt werden, dass dieses Fahrzeuge werksseitig ausschließlich in Panzergrau ausgeliefert wurden. Gewünscht wurde allerdings ein Drei-Farbei-Anstrich, wie er speziell ab 1943/44 verwendet wurde, mit aufgebrachter Wintertarnung. Ich möchte anmerken, dass ältere Fahrzeuge, welche zur Depotinstandsetzung ins Reich überführt wurden, die Werke ab 1943 mit einem Elfenbeinfarbenem (sehr hellen) Grundanstrich wieder verließen! Dieses ist durch unzählige Farbfotos belegt. Ausnahmslos alle Hersteller von Modellbaufarben bieten durchweg viel zu dunkle Farben unter den entsprechenden RAL-Nummern an. Ferner muss berücksichtigt werden, dass man die Farben ebenfalls einem Maßstab unterwerfen muss: Je kleiner der Maßstab, desto heller die Farbe! Weiterhin sollte man bei der Farbgrundauswahl seine eigene Arbeitsweise berücksichtigen, ob man beim Finishing die Farben bei jedem weiteren Farbauftrag verdunkelt oder aufhellt. Ich arbeite fast ausnahmlos von hell nach dunkel.

Vorgesehen war nun der Tiger I eines frühen Bauloses der sPzAbt. 505 (Ostfront) im März 1944. Wie würde nun ein solches Fahrzeug aussehen? Panzergrauer Grundanstrich über rotbrauner Rostschutzfarbe; Nach Depotinstandsetzung helles Gelb mit von der Besatzung aufgebrachter grüner und schokoladenbrauner Fleckentarnung; Darüber verdreckte abgewaschene Wintertarnung und der Frühjahrsschlamm der Ostfront! Von der Farbzusammenstellung her ein „buntes Zirkuszelt“ – aber absolut realistisch! ...Und zu dem noch ein Modell, welches aus dem üblichen Rahmen fällt.

Da ich nun erstens ein fauler Mensch bin und zweitens gerade mein Kompressor streikte, wurde der Tiger aus der Spraydose!!! grundlackiert (Elfenbeinfarbene Rostschutzgrundierung aus dem Kfz-Zubehör, laubgrün und schokoladenbraun aus dem Bastel- und Dekobedarf). 

Grundlackierung

Um ein Spritzen und Kleckern der Spraydosen möglichst zu verhindern, wurden Pappschablonen zum Lackieren der Flecktarnung verwendet. In meinen Augen tut ein gelegentlicher Farbkleckser dem Aussehen ohnehin keinen Abbruch, da zum einen weitere Farbschichten aufgetragen werden und mögliche Kleckse allmählich verschwinden und zum anderen beim Original die Farbe mit den unterschiedlichsten Lösungsmitteln und Methoden unter Frontbedingungen aufgetragen wurde. Anschließend wurden Stellen, an welchen der alte panzergraue Grundanstrich  oder die rote Rostschutzfarbe zum Vorschein kommt, mit dem Pinsel bemalt. Das Ergebnis wirkt noch nicht sehr eindrucksvoll! Anschließend wurde das komplette Fahrzeug mit einer Brühe aus schwarzer und brauner Ölfarbe in Benzin gelöst eingepinselt. Diese Mischung hat den Vorteil, dass alle Farben ein älteres Aussehen erhalten und Tiefen und Kanten mehr Betonung erhalten, da sich die Farbpigmente hier verstärkt ansammeln. Als Lösungsmittel eignet sich Benzein hervorragend, da dieses weder Acryl- noch Emaillefarben angreift und zudem noch extrem schnell trocken ist. Ein anschließendes Weiterarbeiten ist sofort möglich.

Tiger turm

Alle Farbflächen, Kanten und Nieten wurden danach mit aufgehellter Grundfarbe betont. Hierzu wird mit einem Pinsel, welcher nahezu keine Farbe mehr enthält, über die zu betonenden Bereiche gebürstet. So werden nur winzigste Farbpartikel aufgetragen. Anschließend erfolgte die mühevollste Arbeit überhaupt: Mit einem sehr feinen Pinsel wurden Kratzer und Farbabrieb in den Grundfarben Rostrot, Panzergrau und Elfenbein über das gesamte Fahrzeug verteilt. Somit werden, wie beim Original, flache und tiefe Kratzer dargestellt. An manchen Stellen wurde der Anstrich wieder mit einem sehr feinen Sandpapier entfernt. Dieses stellt sehr realistisch Farbabrieb dar. Der nächste Schritt ist das Darstellen von Rost, Öl-Flecken, sonstigen Gebrauchsspuren und der Treffer. Diese wurden ausnahmslos mit Ölfarben aufgebracht. Lediglich bei den Treffern wurden reine Farbpigmente in Pulverform in die noch frische Ölfarbe mit dem Pinsel eingearbeitet.

Nachdem nun alles durchgetrocknet war, wurde mit dem Pinsel ein heller Schmutzton aufgetragen, um den Staub des letzten Sommers darzustellen.

Ablauf

Anschließend wurde die „grobe Kelle“ genommen! Mit einem dicken Pinsel wurde nun weiße Wandfarbe unregelmäßig auf dem Fahrzeug aufgebracht. Im Bereich des Motordecks sollte man dieses ganz sparsam machen. Hier wurden die Originalfahrzeuge meistens gar nicht abgetarnt. Und wenn ja, dann war der Winteranstrich bereits nach wenigen Tagen durch das tägliche Betanken und Warten der Panzer wieder abgerieben oder unter Öl- und Benzinflecken verschwunden. Nachdem die Wandfarbe durchgetrocknet war, wurde diese ebenfalls zum Teil wieder mit Schmirgelpapier abgerieben (hier kommen dann auch wieder frühere Bemalungsstufen zum Vorschein), erneut Kratzer aufgemalt und alles wieder leicht mit der erwähnten Benzinbrühe gealtert. Den Abschluss bildet nun der Schlamm des Frühjahrs: Hierzu wurde dunkelbraune Wandabtönfarbe mit Quarzsand unterschiedlicher Körnungen, Weißleim (Ponal) und Wasser gemischt und mit einem richtig dicken Pinsel aufgetragen. Im Laufwerksbereich geschah dieses im Prinzip flächendeckend. Bewegliche Teile wurden vorsichtig bemalt, um deren Funktion nicht einzuschränken. Diese spezielle Farbmischung ist extrem robust und verkraftet einen Fahrbetrieb ohne Probleme!  Soweit zum eigentlichen Anstrich.

Druckstücke

Ich möchte hier noch kurz auf einige Details eingehen: Das Abzeichen der sPzAbt. 505 wurde mit einem Tintenstrahldrucker farbig ausgedruckt und auf die vom Zimmerit ausgesparte Fläche am Turm geklebt. 

Wenn man genau arbeitet, ist der Papierrand nicht zu erkennen. Dann wurde das Logo noch einmal komplett mit dem Pinsel nachgezeichnet. Die Turmnummern und die Balkenkreuze wurden mit der Spraydose aufschabloniert, alle sonstigen Zahlen sind Abreibebuchstaben. Der kleine Panzer auf den Abschussringen am Rohr wurde mit einem wasserfesten Filzstift aufgezeichnet.

Tiger logo

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Das letzte „i-Tüpfelchen“ bilden sicherlich diverse Ausschmückungsutensilien.

Da ein Panzer sehr beengt ist und die Besatzung ihre komplette Habe auf so einem Fahrzeug unterbringen muss, kann es gar nicht ausbleiben, dass so ein Einsatzfahrzeug auch außen voll „gerödelt“ sein muss, um einen realistischen Eindruck zu vermitteln. Alles, was nicht unbedingt in Reichweite der Besatzung liegen musste, wurde außen am Fahrzeug untergebracht.

Tiger Treffer Pistole Tiger Heckplatte
Tiger I Kommandant Tiger Heck
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So überlegte ich mir, was als Dekoration mit einfachsten Mitteln selbst hergestellt werden kann, um den Tiger außen auszustaffieren. Als erstes warf ich einen Blick in das Barbiepupen-Zubehör meiner Tochter. Hier fand ich auch schnell ein Fernglas und eine Feldflasche welche für meine Zwecke geeignet war. Die Granathülsen sind Abgüsse einer gekürzten 2 cm Marderhülse, das Fass war mal ein kleiner Blumentopf, viele andere Kleinigkeiten wurden einfach mit dem Tintenstrahldruck ausgedruckt und wetterfest versiegelt. Lediglich die Gasmaskenbehälter bereiteten etwas mehr Arbeit. Hier wurde ein Muster selbst gebaut und anschließend in Resin abgegossen. Viel Mühe kostet auch hier allerdings die Bemalung der Kleinteile. Um eine realistische Holzstruktur z. B. bei den Stangen des Rohrreinigungsgerätes zu erzeugen, sind ca. 6. lasierende Farbaufträge nötig.

Eiszapfen

Ich könnte hier noch auf weitere Dinge, wie den Schnee, die Herstellung von Eiszapfen un weitere Details eingehen. Dieses würde aber den Rahmen dieses Berichtes sprengen.

Ziel war es, ein von Hause aus schon sehr imposantes Modell durch ein ungewöhnliches Erscheinungsbild weiter aufzuwerten. Es liegt im Auge des Betrachters, ob dieses gelungen ist. Sicherlich muss man nicht alles übernehmen, was an Details hier eingeflossen ist, Anregungen sind allerdings genügend vorhanden. Und vielleicht guckt der Eine oder Andere doch einmal über den Tellerrand und holt sich Ideen aus anderen Modellbaubereichen..... 

Tiger 1:5
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Für Anfragen nach weiteren Details und Einzelheiten stehe ich gern zur Verfügung. 

Frank Stettin, IMM

(Interessengemeinschaft Militärfahrzeug-Modellbau)  

 
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