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Der „Panzer“ des Neubeginns (1923)

Tankattrappe 

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wurde Deutschland ja auferlegt, sämtliches Kriegsgerät zu zerstören. In der Folge wurde nur noch eine kleine Truppe ohne schwere Waffen erlaubt.

Da Deutschland aber immer noch ringsum vom „bösen Feind“ umzingelt war und dieser über Panzer und Artillerie verfügte, mußten die deutschen Soldaten irgendwie an diese Waffen gewöhnt werden.

Panzer – zu dieser Zeit noch Tanks genannt – standen nicht zur Verfügung. So ließ man sich etwas einfallen. Es wurden Tankattrappen gebaut, um die Soldaten wenigstens an den Anblick dieser „Kolosse“ zu gewöhnen.

Da die damaligen Panzer wirklich noch weitgehend das Aussehen von Tanks hatten, war die Herstellung der Attrappen nicht schwer. Über ein Rohrgestell wurde eine Plane gezogen, oben drauf ein kleiner Turm mit Geschützrohr und fertig war das Teil

Aber wie nun bewegen??

Selbstverständlich wurden „Freiwillige“ aus der Truppe abgestellt, die dieses Monstrum durch das Gelände tragen mußten, um so die Bewegung eines Tanks zu realisieren. Arme Jungs!!

Sicherlich kam einer von denen auf die Idee, das Gestell fahrbar zu machen. Dazu wurde ein Fahrrad (Dreirad) genommen, das Gestell aufgesetzt und nun von zwei Soldaten durch die Heide geschoben. Es sind leider nur ganz einige Bilder von der Tankattrappe erhalten geblieben. Wer genau hinsieht, erkennt noch unterhalb des Rahmens kleine Gestelle, auf denen die Attrappe abgesetzt wurde.

 Tankattrappe

Dieses Teil hat mich schon immer gereizt, es zu bauen. Allerdings gibt es ja überhaupt keine Maße.

So habe ich mir die Bilder vorgenommen, die durchschnittliche Größe der Soldaten geschätzt und die Maße des Gestells angepaßt. Da soll mal einer sagen, ich habe falsche Maße verwendet. Nachmessen ist ja nicht. Aber ich denke, ich habe die Proportionen ganz gut hingekriegt.

 Wie habe ich die Attrappe nun gebaut.

Als erstes fiel mir eine Rikscha im M 1:10 in die Hände. Die wurde nun abgespeckt, bis das nackte Dreirad übrig blieb. Die Achsen und Radnaben wurden so verändert, daß das Gestell angeschraubt werden konnte.

Dann ging es an das Gestell.

Ich habe es aus 3 mm Messingrohr und –stangen gebogen und zusammmengelötet.

Zunächst die beiden langen Ellipsen, die das Kettenlaufwerk imitieren. Dazu mußten vier identische Teile gebogen und zusammengelötet werden. Natürlich mit Versteifungen. Jeweils zwei Teile wurden in der vorgesehenen „Kettenbreite“ mit Stegen verbunden. Nun wurde die kastenförmige „Panzerwanne“ ebenfalls aus Messingrohren zusammengelötet (ich liebe Messing). Selbstverständlich auch hier wieder mit Versteifungen. Am Vorderteil wurden noch extra Streben eingelötet, um das Vorderrad anschrauben zu können. Das hintere Teil des Gestells ist offen. Hier mußten ja die Soldaten zum Schieben Platz finden

Unter die beiden Fahrwerksimitationen wurden vorn und hinten die schon erwähnten kleinen Gestelle gelötet, auf denen früher das Gestell (zur Schonung des Materials) abgesetzt wurde.

Nun mußte das Ganze mit Leinwand verkleidet werden. Ich habe dazu den Stoff eines alten Hemdes verwendet, weil er mir ausreichend dünn erschien. Die Stoffteile habe ich einfach auf das Gestell geklebt. Zur Darstellung eines Kettenlaufwerkes habe ich  in bestimmten Abständen quer Holzstäbe geklebt, um so die Stollen anzudeuten.

Vorne und in die Seitenteile der „Panzerwanne“ habe ich Fenster geschnitten. Schließlich mußten die Soldaten ja auch sehen können, wohin sie stolpern mußten.

Oben auf das Gestell habe ich dann einen sechseckigen Turm mit einem kurzen Geschützrohr gesetzt. Selbstverständlich bekam der Turm die Nummer 5 , wie das Original auf dem Foto.

Tankattrappe Turm

Den Turm habe ich separat hellbraun gespritzt, die Tankattrappe mit den damals üblichen etwas grellen Farben Braun, Grün, Gelb, Schwarz.  Das Tarnschema kann man ja glücklicherweise bei anderen Fahrzeugen aus dieser Epoche erkennen.

Zuletzt habe ich das Gestell auf das Fahrrad geschraubt. Und zwar so, daß die Unterseite des „Kettentrumms“ in Höhe der Radnaben liegt. Lenker, Sattel und Pedale des  Dreirades sind erhalten geblieben.

Tankattrappe Fahrrad8

Ich bin mit dem Ergebnis meiner Arbeit ganz zufrieden und habe mir damit ein Modell gebastelt, das vermutlich einmalig ist und das erste Modell meiner Sammlung von Modellen des 2. Weltkrieges vom Pz I bis zum Tiger II ist.

Tankattrappe hinten


Klaus Wehler

 
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